Neue Teppiche braucht das Land
No°20
Credit: meter/Rosa Rauscher
Auch dem Wandteppich haftete für lange Zeit ein staubiges Image an. Es brauchte erst die kreative Energie einiger globaler Künstler*innen. Eine von ihnen ist Corina Müller aus Erfurt. Unter ihrem Label Rosa Rauscher entwirft und fertigt sie getuftete Wandteppiche von ganz neuem Format und mit reichlich Farbe. Ein Portrait für das Schweizer meter Magazin.
„Der Mensch braucht Frieden.“ Dass Corina Müller eines Tages ausgerechnet mit dieser Parole auf einem Wandteppich in der Artothek der Kunstsammlung des Deutschen Bundestags vertreten sein würde, hätte sie so vor drei Jahren auch nicht gedacht. Damals, während der Pandemie erging es ihr wie so vielen. Inmitten der weltweiten Krise reiften in Müller Selbstverwirklichungsideen. Die studierte Landschaftsarchitektin war seit einigen Jahren zu Hause in Erfurt in einem Laden für Nachhaltigkeit tätig, spürte aber schon länger eine innere Unruhe. Beim Scrollen auf Instagram stiess sie erstmals auf Tufting. Sofort fasziniert, wollte sie die Technik unbedingt erlernen und eigene Wandteppiche fertigen. Vor ihr lagen unzählige Recherchestunden: Welche Wolle soll es sein? Was ist an Equipment nötig? Und wie geht das neue Business am nachhaltigsten? „Zu Beginn gibt es so viele Hürden auf die man stösst, wofür es aber Lösungen braucht. Ich habe dann angefangen Youtube-Tutorials wie zum Beispiel von Tufting Love aus der Schweiz zu schauen und Leute auf den verschiedenen Social Media-Kanälen zu folgen und um Rat zu fragen“, erklärt Müller. Mit Erfolg! Binnen kürzester Zeit brachte sie sich nahezu autodidaktisch das Tuften bei, lernte wie man einen grossen Holzrahmen baut, diesen mit dem Backing-Stoff straff bespannt und dann den Faden gleichmässig einschiesst.
Credit: meter/Rosa Rauscher
Aller Anfang ist mühsam
„Zunächst verwendete ich Acryl, aber das Material überzeugte mich nicht “, erklärt die 41-Jährige die Anfänge. „Ich bin dann auf neuseeländische Schurwolle umgestiegen, die sehr viel robuster ist.“ Mindestens ebenso nachhaltig sollte auch der Einkauf sein. Zwar fand sie einen guten Abnehmer, bei dem sie bis zu 200 Kilogramm Wolle ordern konnte, allerdings war dieser aus China. Sie entschied sich dennoch für ihn. Immerhin ist die Zusammenarbeit verlässlich und der Versand erfolgt tatsächlich per Zug.
Credit: meter/Rosa Rauscher
Schliesslich war sie gewappnet für ihr neues Business, was noch fehlte war ein Name. Die Wahl fiel auf Rosa, so wie eigentlich ihre Tochter heissen sollte, doch in Verbindung mit Rauscher, dem Nachnamen ihres Partners, mehr nach einem Künstlernamen klang. Und so bezog Rosa Rauscher ein Atelier im Erfurter Norden auf einem ehemaligen Klinikgelände, wo auch andere KünstlerInnen ihre Studios – wie etwa der deutsche Musiker Clueso – und Werkstätten haben.
Credit: meter/Rosa Rauscher
Im richtigen Format
Dass Corina Müller heute farbenfrohe Wandteppiche tuftet, ist nur wenig verwunderlich. Schon als kleines Mädchen begeisterte sie sich für Buntes und Wolle. Mit zehn Jahren knüpfte sie ihren ersten Mini-Teppich. Heute, ein paar Jahrzehnte später, hat sie den Kindheitstraum zum Business professionalisiert. Sie beginnt zunächst mit Wandteppichen im Mass 30 x 40 Zentimeter. Schnell merkt sie allerdings, dass grösser besser ist. Mittlerweile misst ihr gängigstes Format 60 x 80 Zentimeter, das gerade noch als Sperrgut versendbar ist. Die meisten Bestellungen generiert sie über Etsy und Instagram, weshalb primär Anfragen aus dem Ausland kämen – immerhin 60 Prozent, davon die Hälfte aus Europa. In Amerika hängen die meisten ihrer Wandteppiche. Wohl am weitesten weg waren bisher Aufträge aus…
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